Jan 24 2011

Das Apple iPad ein Blick auf die Zahlen

Tag: AppleKonstantin Elstner @ 12:09

Es gibt einen stark wachsenden Hype um das Apple iPad. Immer mehr Firmen wünschen mittlerweile iPad-Anwendungen. Wenn man beobachtet wie oft mittlerweile iPad-Anwendungen angepriesen werden und wie gut die Marketingstrategie von Apple aufgeht, so könnte man denken das iPad wäre allgegenwärtig.

Fragt man eine iPad-Entwicklung an, so muss man sich teilweise auf längere Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr einstellen bis die Entwicklung überhaupt beginnen kann. Da der durch Apple indirekt klein gehaltene Entwicklerkreis stark gefragt ist. Die Einschränkung des Entwicklerkreises erfolgt mehr oder weniger direkt durch die von Apple vorgegebenen Entwicklerwerkzeuge. Zeitweise wurden auch „Cross-Plattform-Entwicklungstools“ wie Unity3D, der Adobe iPhone Packager oder andere Tools verboten, später aber wieder zugelassen. Jedoch bleibt hier die Angst der Entwickler, dass auf diesem Wege entwickelte Programme im nächsten Quartal wieder gesperrt werden könnten. Dies schlägt sich neben den Wartezeiten auf freie Entwickler auch in den Tagessätzen nieder.

Doch steht man vor der Frage, ob man eine iPad-Anwendung in Auftrag geben will oder sollte, so ist der Eindruck, dass dies schon fast Pflicht sei, um den Anschluss nicht zu verlieren. Unter diesen Umständen sollte man aber auch hinterfragen wer denn eigentlich so alles ein iPad hat. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis komme ich auf knapp 4 iPad-Besitzer die mir bekannt sind, wovon exakt eine Person dieses zu rein privaten Zwecken nutzt und der Rest aus dem Entwicklerumfeld kommt, daher aus meiner Sicht nicht „vollwertig“ zählbar ist, da hier das Interesse aus beruflichen Gründen extrem gesteigert ist.

Wichtig ist bei der Betrachtung beziehungsweise bei der Überlegung der Entwicklung einer  „iPad-App“, dass diese bei einer Produktion für das iPad auch nur auf diesem vollwertig nutzbar ist. Weitere Apple-Produkte wie das iPhone, AppleTV und die iPods, die auch auf iOS basieren, sind in der Regel auf Grund ihrer Displaygröße und der Geräteleistung kaum für die Nutzung der iPad-App geeignet.

Als Entwickler oder als Kunde, der einen iPad-Einstieg plant, sollte man seine Entscheidung dafür oder dagegen nach „vernünftigen“ ökonomischen Gesichtspunkten fällen, bzw. rein rational. Da sich kaum noch jemand des durch Apple kommunizierten Hypes entziehen kann, ist es wichtig rein rationale Fakten offen zu legen und auf die Verkaufszahlen zu schauen. Diese werden nach meiner Meinung leider viel zu wenig kommuniziert. Apple selbst hält sich sehr bedeckt bei der Veröffentlichung solcher Zahlen, wenn es sich nicht gerade um den Quartalsbericht, der Pflicht ist, handelt, oder um einen brillanten Verkaufsstart.

Definition der Zielgruppe

Laut Statista(1) ist die Kernzielgruppe des iPads wie folgt zu definieren:

Geschlecht
Rund zwei Drittel der iPad-Nutzer sind männlich.

Alter
Das iPad spricht Interessierte altersübergreifend bis 60 Jahre an.

Einkommen
Das iPad ist sehr beliebt bei Besserverdienern, sie stellen aber nicht die größte Zielgruppe dar.

Medienausgaben
iPad-Nutzer geben durchschnittlich 1,5-mal so viel für mediale Inhalte aus wie der durchschnittliche Onliner.

Apple-Besitz
Wer ein iPad kauft, besitzt schon andere Produkte von Apple. T-Mobile-Nutzer sind in der iPhone-Gruppe leicht überrepräsentiert – Grund hierfür ist iPhone.

Hierbei handelt es sich um die Kernzielgruppe. Um jedoch einen regulären Schnitt zu erreichen, muss auch generell der Casual User (Gelegenheitsnutzer) beachtet werden. Da das iPad sich sowohl vom Schüler bis hinauf in die Zielgruppe 60+ eignet, vertrete ich die These, dass für einen verhältnismäßig korrekten Wert zur Ermittlung eines potenziellen Userkreises im Schnitt die Formel Bevölkerung eines Landes * 0,5 angewandt werden kann. Im Hinblick auf die zukünftige „Computernutzung“ zeichnet sich ab, dass sich generell Tablets im privaten Bereich als zukünftiges primäres Gerät zum Konsum von Webinhalten und Lean-Forward Medien (interaktive Medien) entwickeln werden.

iPad-Verkaufszahlen 2010

2. Quartal (Verkaufsstart):
3,37 Mio. (2)
(Iphones 8,4 Mio., iPods 9,41 Mio.)

3. Quartal:
4,19 Mio. (3)
(Iphones 14,1Mio., iPods 9,05Mio.)

4. Quartal (inklusive Weihnachtsgeschäft):
7,33 Mio. (4)
(Iphones 16,24 Mio., iPods 19,45 Mio.)

Apple hat somit im Jahr 2010 (seit April) 14,89 Mio. iPads verkauft, parallel wurden 38,74 Mio. iPhones und 37,91 Mio. iPods verkauft.

Aussicht 2011

Laut Digitimes (5) hat Apple für das Jahr 2011 rund 65 Mio. Displays für das iPad 2 bei seinen Zulieferern bestellt. Parallel läuft die Produktion des iPad 1 aus. Es lässt sich daher ableiten, dass Apple von einem Absatz von bis zu 65 Mio. iPads im Jahr 2011 ausgeht. Interessant ist hierbei, dass die Analysten nur von Verkaufszahlen von 21 Mio. (Piper Jaffray’s Gene Munster (5)) bis 45 Mio. (Brian White Analyst bei Ticonderoga Securities (5)) ausgehen. Interessant hierbei ist auch der Blog von Philip Elmer-DeWitt. Da Apple bisher nicht übermäßig falsch lag, halte ich ca. 50 Mio. verkaufte iPads für realistisch.

Verhältnis und Reichweite

Um eine durchschnittliche Reichweite / Verbreitung des iPads zu ermitteln, liste ich im Folgenden die Länder, in denen das iPad erhältlich ist, sowie deren Einwohner laut Wikipedia.org auf:

  • Australien – 21,9 Mio
  • Belgien – 10,8 Mio.
  • Deutschland – 81,8 Mio.
  • Frankreich – 65,4 Mio.
  • Großbritannien – 61,5 Mio.
  • Niederlande – 16,5 Mio.
  • Hongkong – 7 Mio.
  • Japan – 127,4 Mio.
  • Irland – 4,5 Mio.
  • Italien – 60,3 Mio.
  • Kanada – 34 Mio.
  • Luxemburg – 0,5 Mio.
  • Mexiko – 112,3 Mio.
  • Neuseeland – 4,4 Mio.
  • Österreich – 8,4 Mio.
  • Schweiz – 7,8 Mio.
  • Singapur – 4,7 Mio.
  • Spanien – 47 Mio.
  • USA – 311 Mio.

In der Summe verfügen die genannten Länder über 987,2 Mio. Einwohner. Multipliziert man die Einwohnerzahl mit dem bei der Zielgruppe genannten Faktor von 0,5 so erhalten wir 493,6 Mio Zielpersonen. Daraus lässt sich ableiten, dass zum 1.1.2011 rund 3% der potenziellen Nutzer über ein iPad verfügten. Sollte Apple im Jahr 2011 wirklich 50 Mio. iPads innerhalb der genannten Länder absetzen, so hätten zum 1.1.2012 64,89 Mio. User ein iPad. Dies wären somit rund 13,15% aller potentiellen Nutzer. Würde man die volle Einwohnerzahl als Basis verwenden, hätte das iPad bei diesen Zahlen 2011 eine Marktdurchdringung von 1,5% und 2012 von 6,58%.

Appstore Bedingungen

Um ein Produkt für das iPad, iPhone oder iPod zu vertreiben, führt kein Weg an dem Appstore von Apple vorbei, nur über diesen darf und kann Software für die genannten Geräte vertrieben und installiert werden. Die einzige andere Alternative wäre ein Jailbreak, der mit einem Hack des Gerätes einher geht. Apple hat hierbei die Funktion eines Gatekeepers und lässt nur Software nach einer ausführlichen Prüfung zu. Zu gleich sichert sich Apple so auch eine Abgabe von 30% des Verkaufspreises der App. Eine solche Prüfung kann zwischen 5 Tagen bis zu 4 Wochen andauern.

Aktuell zieht Apple viel Unmut der Verlage auf sich, da Apple nun vorgegeben hat, dass für ein Zeitungsabo im Appstore Abgaben zu entrichten sind und dieses nicht über den Verlag vertrieben werden darf. Alleine Apple hat das Recht des Abovertriebes und behält alle Abonnentendaten für sich. Eine zielgerichtete Werbung für die Verlage ist so nicht möglich. Ebenso entfällt die Möglichkeit „Printabokunden“ eine kostenlose digitale Ausgabe zur Verfügung zu stellen, beziehungsweise wird dies unterbunden (7).

Solche Maßgaben und andere Restriktionen werden mit jeder neuen iOS-Version verändert oder erweitert:

Apple iOS 4.0 (April 2010)
Anwendungen für iOS dürfen nur noch in Objective-C, C, C++ geschrieben werden, die Nutzung von Crosscompilern wird untersagt (8).

Apple iOS 4.3 beta (September 2010)
Eingeschränkte Aufhebung der im April eingeführten Beschränkung:
„[…] Insbesondere lockern wir alle Beschränkungen der Entwicklungswerkzeuge zum Entwickeln von iOS Apps, so lange die dadurch entstehenden Apps keinen Code herunterladen. […]“ (9)

November 2010
Zeitweise Ablehnung von Apps von Radio-Stationen da diese so sinnvoll seien wie eine „Furzapp“. (10)

Januar 2011 Richtlinien für den Mac App Store
„[…] Apple weist darauf hin, dass auch Applikationen abgelehnt werden, wenn sie Funktionen abdecken, für die es bereits viele andere Applikationen im App Store gibt. Abgelehnt werden gegebenenfalls auch Apps, die „nicht sehr nützlich sind“ oder nicht auf Dauer unterhaltsam sind. Auch Java ist dabei nicht erlaubt. […]“ (11 & 12)

Neben den genannten Restriktionen kommt es immer wieder zu Ablehnungen aus teilweise nicht rational nachvollziehbaren Gründen. Apple und besonders Steve Jobs fühlen sich als „Eltern“ des Appstores und versuchen so den User geradezu zu erziehen. Es wurden schon Apps gesperrt / nicht zugelassen, oder im Nachhinein entfernt, weil sie zu politisch waren, zu viel Haut gezeigt wurde, ein Feature oder die Software eine Funktion besaß, die auch die von Apple installierte Software bot.

Problematisch sind die Lizenzbedingungen auch für Software die aus dem Opensource-Bereich kommen. So musste unter anderem der freie VLC Media Player wieder entfernt werden, da sich die AGB des Appstores nicht mit der GPL-Lizenz des Players vereinen ließen. „[…] Die Unvereinbarkeit von GPL und den Geschäftsbedingungen (AGB) des App Store sei nun gelöst – wenn auch auf dem harten Weg, so Denis-Courmont. […]“ (13).

Es kann daher gut möglich sein, dass eine Anwendung im finalen Stadium doch noch von Apple abgelehnt wird. Zwar ist man bei Apple bemüht mittlerweile zumindest einen Katalog mit Gründen, warum eine App abgelehnt werden kann, aktuell zu halten. Aber es gibt keinen Garant dafür, dass die erstellte Software selbst bei Einhaltung aller Punkte frei gegeben wird. Ebenso müssen auch Updates der Software zur Prüfung eingereicht werden, ein Tipp- oder Grafikfehler lässt sich so nicht eben mal schnell beheben.

Fazit

Ziel dieses Artikels ist es nicht, eine Bewertung des iPads vorzunehmen oder eine Empfehlung auszusprechen. Er soll als Entscheidungshilfe dienen und zugleich eine Basis für weitere Recherchen darstellen. Im Jahr 2011 wird der „große Run“ auf die Gerätegruppe der Tablets beginnen. Auf der CES 2011 in Las Vegas wurden verschiedene Android basierende Alternativprodukte gezeigt, die im Laufe dieses Jahres verfügbar sein werden. Samsung erreichte im letzten Jahr mit seinem Galaxy Tab die 1 Mio. Marke. Der Android Marketplace ist frei und ohne Restriktionen durch Google zugänglich. Android-Apps können direkt über eigene Websites zugänglich gemacht werden.

Der App-Store von Apple ist Fluch und Segen in gleichem Maße. Es gibt so einen zentralisierten Vertriebsweg der sehr gut durchdacht ist, dem hingegen wirken die Marketplaces für Android noch recht unprofessionell. Jedoch heißt eine Platzierung im Apple App-Store nicht gleich, dass die Software auch sofort von jedem geladen und installiert wird. Das Eigenmarketing für die Anwendung ist nach wie vor notwendig. Es ist teilweise fast schon fraglich, ob ein Link von der eignen Website zum Apple App-Store nicht gleich den User auch zu anderen Konkurrenzprodukten führen könnte.

Der definitive Gewinner ist Apple im Hinblick auf den App-Store. Ob man selber Erfolg hat, bleibt im eigenen Verantwortungsbereich. Die Goldgräberstimmung – als man noch mit einer Bierglas-App reich werden konnte – ist vorbei, der Markt ist stark gesättigt. Ob sich eine Investition zum aktuellen Zeitpunkt lohnt, oder ob man lieber warten sollte wie sich die Android basierenden Tablets in diesem Jahr positionieren werden, das ist die Frage. Zu empfehlen wäre aus meiner Sicht am ehesten eine „Cross-Over-App“, die beide Systeme bedient.

Sicher ist nur, Apple ist und bleibt der Marktführer bei den iPads.

Quellen

1 ) http://de.statista.com/berichte/199/ipad-wird-in-deutschland-neuen-millionen-markt-schaffen/statista/pq/
2 ) http://www.apple.com/pr/library/2010/07/20results.html
3 ) http://www.apple.com/pr/library/2010/10/18results.html
4 ) http://www.apple.com/pr/library/2011/01/18results.html
5 ) http://www.digitimes.com/news/a20101228PD212.html
6 ) http://blogs.forbes.com/elizabethwoyke/2010/10/06/analyst-sees-45-million-ipads-in-2011-next-gen-ipad-launching-soon/?boxes=Homepagelighttop
7 ) http://www.macmania.at/ipad/gratis-zugang-zeitungsabos-apple-verboten/
8 ) http://www.macnotes.de/2010/04/12/iphone-os-4-0-apple-untersagt-nutzung-von-crosscompilern-auch-von-adobe-flash/
9 ) http://www.apple.com/de/pr/library/2010/09/09statement.html
10 ) http://radiomagonline.com/currents/news/apple_rejects_radio_apps_1122/
11 ) http://www.golem.de/1101/80539.html
12 ) http://www.engadget.com/2010/10/21/apples-mac-app-store-review-guidelines-posted-will-photoshop/
13) http://www.heise.de/newsticker/meldung/VLC-media-player-aus-App-Store-entfernt-1165910.html